overall

Wahrnehmen und wissen, erkennen und verstehen.

"Die Sprache verkleidet den Gedanken. Und zwar so, daß man nach der äußeren Form des Kleides nicht auf die Form des bekleideten Gedankens schließen kann; weil die äußere Form des Kleides nach ganz anderen Zwecken gebildet ist als danach, die Form des Körpers erkennen zu lassen.
Die stillschweigenden Abmachungen zum Verständnis der Umgangssprache sind enorm kompliziert."
(Wittgenstein, Tractatus, 4.002)


Seit Wittgenstein wird die Frage nach der menschlichen Erkenntnis mit der Möglichkeit sprachlicher Repräsentation von Erkenntnis verbunden, wie funktioniert die symbolische Wissensrepräsentation menschlichen Wissens?
Wahrnehmen und wissen, erkennen und verstehen.
Das System, die Form, und ihr Funktionieren.

Ein Sprung in die Fluten. Schwimmen, baden, sich treiben lassen, ein bißchen Wellenreiten, surfen, tauchen. Immer schön strampeln, um nicht unterzugehen.

Am Anfang war das Tohuwabohu (selbst Rauschen als Wort), das Rauschen, das Hintergrundrauschen, das Chaos. Am Anfang ist das Undifferenzierbare, nicht Gewußte, das worüber niemand Information besitzt, die Unordnung.
Ordnung, geordnete Systeme, Dinge, Botschaften, Sinn sind Inseln, Inselgruppen oder zuweilen Kontinente, die aus dem weiten, formlosen Meer auftauchen. Die Brandung nagt an den Ufern, deren feste Gestalt, Ordnung langsam abgetragen wird, erodiert, zerfällt - und irgendwo taucht eine neue Inselgruppe aus den Fluten auf.
Wissen ist immer nur ein Wissen über Inseln, Vereinzeltes, Ausnahme. Das Reale in dem tosenden, brausenden Meer ist nicht rational. Das Rationale ist eine der Inseln, eine präzise, fest umrissene im Meer des Undifferenzierbaren.

Die Macht will Ordnung, das Wissen gibt sie Ihr. Die vollständige Erklärung bedeutet Kontrolle. Im Kampf gegen jegliche Unabgeschlossenheit werden endlos Modelle gebildet. Die Macht ist Ordnung. Sie ordnet die Welt, das Universum, unterscheidet Beobachter von Beobachtetem als zwei getrennte Größen. Ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Reduktionismus. Theorismus. Ihr bevorzugter Lebensraum ist das Festland. Wissenschaft ist der Hafen.
Die Macht will Ortung. Die Macht fängt bei denen an, die sie zu sehen glauben; und denen, die mitmachen und sie annehmen. Sie fängt damit an, daß d(ies)er Raum nicht verlassen wird.
Sprache fungiert als Machtinstrument zur Herstellung von (Ord/tnungs-)Systemen. Unterscheidungen, Kategorien dienen dazu bestehendes hierarchisches Denken (der Baum des Wissens), bestehende Machtstrukturen weiter zu erhalten.

Was ist jenseits der Sprache, die selbst ein (Zeichen-)System ist. Gibt es ein Jenseits für den Menschen? Oder bleibt das Denken am Rand des Undenkbaren. Gibt es Denken ohne Sprache? Wie definiert sich bzw. wer definiert Denken? Zurück im Strudel der Wörter. Die Koordinaten des Raumes treten in Erscheinung. Logozentrismus.

Systeme sind Organisationsformen der Ordnung. Der Nutzen für die Ordnung, ihr Funktionsmechanismus, besteht in der Anleitung des menschlichen Verhaltens innerhalb der sie umgebenden Komplexität. Untereinander stehen sie in Bezug, sind miteinander verzahnt, verflochten, vernetzt, oder konkurrieren miteinander. Ihr Dasein ist befristet, hängt von ihrem funktionieren ab. Einmal zum laufen gebracht geraten sie allerdings oft aus dem Focus, existieren weiter im toten Winkel der Wahrnehmung, besonders wenn es sich um Alltägliche handelt. Das Verstehen entzieht sich, entschlüpft. Sie werden gewußt, sind aber nicht unbedingt bewußt. Ein Selbstläufer.
Wissen und Erfahrung konstituieren eine bestimmte Erwartungsstruktur... "apriorische" Wahrnehmungsprinzipien, "Antizipationen der Wahrnehmung".
Mustererkennung. Das System als Raster, als Schablone, als Organisator der Wahrnehmung, der aufteilt in gewußtes und nicht gewußtes, deckungsgleiches und nicht deckungsgleiches. Das macht die Sache einfacher.
Bei der sinnlichen Wahrnehmung wird ein neuronales Reizmuster des wahrgenommenen Objektes erzeugt. Bei der Musterekennung wird diesem Reizmuster eine Bedeutung verliehen: Man erkennt das Objekt, den Baum als Baum, die Person als Person usw., weil man das Muster kennt. Die Schablonen decken sich, ver-einen sich.

Rund um die Erde, rund um die Uhr setzt sich der Mensch mit einer Fülle von sprachlichen und nicht-sprachlichen Texten bzw. Informationen auseinander: Gespräche, Nachrichten, Briefe, Radio, Werbung, Gebrauchsanweisungen, Rezepte, usw.
In den meisten Alltagssituationen werden sich nicht sonderlich viele Gedanken darüber gemacht, wie die in diesen Situationen enthaltenen Texte bzw. Informationen verarbeitet werden. Das Verstehen geht in alltäglichen Gesprächen u.ä. vor sich, selbstvertständlich. Erst wenn dieser Strom der Selbstverständlichkeit, das Verstehen, gestört wird, taucht die Tätigkeit auf. Wie in Situationen, in denen Verständigungsprobleme auftreten oder sich ankündigen, sei es Stottern, Stammeln, Akzente, oder technische Phänomene wie Flimmern, Hintergrundgeräusche, Rauschen, dann wird der Tätigkeit eine gewisse/bis zu einem gewissen Grad Aufmerksamkeit entgegengebracht.
Verstehen wir uns und erfassen die Form, indem wir das Gehör und das Rauschen, den Gesichtssinn und das stets mit Mängeln behaftete konkrete Zeichen ausblenden, eliminieren und abstrahieren?
Text- bzw. Informationsverarbeitung ist ein komplexer Gegenstand, ein komplexes System. Soll die Information, der Text von der Adressatengruppe verstanden werden, müssen Vorwissen und Rezeptionsstrategien der Adressatengruppe berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich um Sprachgewohnheiten, deren Traditionen und Ausprägungen sich von Kontinent zu Kontinent, Land zu Land, Landschaft zu Landschaft, Insel zu Insel unterscheiden, auch wenn im Zuge der globalen Informierung und weltweiten Vernetzung eine einheitliche Verständigung als gemeinsamer Nenner durchgesetzt wird.
Das Sprechen einer Sprache ist Teil einer Tätigkeit, oder einer Lebensform, der Gesamtheit der Praktiken einer Sprachgemeinschaft. Sprachliche Ausdrücke und eingefleischte Handlungsweisen, die den Sprechern so selbstverständlich vorkommen, daß sie gar nicht darüber nachdenken, prägen die Lebensform und auch die Sprache. Sie schafft Gemeinsamkeit unter den Menschen.
Die für das Verständnis der Sprache unerläßlichen Regeln und Regelmäßigkeiten liegen nicht nur im rein sprachlichen Bereich, sondern müssen durch Regeln und Regelmäßigkeiten unseres Handelns gestützt werden. Mit der sensomotorischen Kompetenz lernt der Mensch die Konstruktion der Welt. "vor-stellen", "be-greifen", "ver-stehen" ... Der Gebrauch sprachlicher Ausdrücke muß gelernt werden . Erfahrung. Sprechfähigkeit ist ererbt, aber jede Sprache muß erworben werden. Im Rekonstruieren, im Nachzeichnen der typischen Stufen eines Lernprozesses, wird der Sinn des sprachlichen Ausdrucks rekonstruiert. Die Sprache ist daher aber auch nur so sicher, wie das, was durch gelernt werden kann. Darüber hinaus ist sie unscharf, fuzzy, hat verschwommene Ränder. Der Gebrauch der Worte ist nicht explizit und vollständig reguliert. Analog zum Weltentwurf hat Sprache, der Gebrauch der Wörter nicht mit exakten Würfeln und ähnlichen Gebilden der Euklidischen Geometrie zu tun, sondern mit fraktalen Gebilden. Die Möglichkeit der Iteration ist die Bedingung der Möglichkeit von Zeichen. Die Wiederholbarkeit ist das Funktionieren des Zeichens. Die Struktur der Wiederholung bürgt jedoch nicht für die Identität des zu Wiederholenden. Von mal zu mal.
Die Sprache als eine alte Stadt: Ein Gewinkel von Gäßchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten; und dies umgeben von einer Menge neuer Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern.


Was ist Vor-Wissen? Wie funktioniert die menschliche Informations- und Textverarbeitung?
Wie wird/ist Wissen repräsentiert und wie organisiert diese Repräsentation den Gebrauch des Wissens?
Wissen ist in Einheiten organisiert, in Päckchen verpackt, in denen zusätzlich zu dem Wissen selbst noch die Information enthalten ist, wie dieses Wissen zu be-nutzen ist. Diese dienen als Prototyp, Muster, default der weiteren Informationsaufnahme und - verarbeitung, bilden deren Rahmen, frame. Ein Schema.
Schemata sind kognitive Repräsentationen, die konkrete Vorstellungen, Bilder von Gegenständen und Ereignissen nach Regeln ein-ordnen.
Schemata sind aktive Organisationseinheiten des Wissens, spiegeln daher Wissensstrukturen und Verarbeitungsprozesse wider. Sie stellen dem Menschen eine Organisationstruktur zu Verfügung, mit der er Erfahrungen organisieren und verstehen kann. Es bedeutet aber auch, daß neue Erfahrungen "in ein Schema gepreßt" oder "nach Schema F" behandelt werden, das Schema zur Schablone, zum Muster, zur Bedeutungsprojektion werden kann. Ein Schema ermöglicht, strukturiert und begrenzt die Erfahrung. Es ist Konzept, Wissensstruktur, Prozeß, Programm, Projektion, Erwartungsstruktur usw. Wird es aktiviert, dann steuert es, sucht Informationen, füllt Leerstellen aus, interpoliert, interpretiert.
Es ist ein ausgrenzbares konzeptuelles Teilsystem im mentalen Netzwerk, in dem aufgrund von Erfahrungen typische Zusammenhänge eines Realitätsbereiches repräsentiert sind.
Ein Beispiel: das Schema AUTO. In dem AUTO-Schema sind alle Erfahrungen verallgemeinert, die eine Mensch mit diesem Gegenstand gemacht hat. So enthält das Schema etwa das Wissen, aus welchen Teilen sich das Auto zusammensetzt, welche verschiedenen Typen unterschieden werden können, in welchen Handlungen es benutzt werden kann. Je mehr Erfahrungen mit Autos vorliegen, desto differenzierter wird das Schema ausfallen. Das AUTO-Schema kann als allgemeines Modell oder Grundstruktur eines Realitiätsbereiches aufgefaßt werden. Es beinhaltet also keine Definition eines Konzepts, sondern einen aus der Erfahrung abgeleiteten Wissenskomplex. Das AUTO-Schema enthält wiederum Subschemata oder Teilnetzwerke, wie z. B. Motor oder Straße. Und es ist in übergeordnete Schemata eingebettet, wie z. B. Verkehr. Dabei handelt sich nicht um eine Hierarchie von logischen Klassen, sondern um eine erfahrungsmäßig gegebene Verschachtelung von Wissensbeständen. Schemata werden nach ihrer unterschiedlichen Komplexität in Hierarchien organisiert. Komplexe Schemata verbinden Wissen über Handlungs- u. Ereignisfolgen.
Ein Schema stellt jedoch keine ruhende Wissensstruktur (Definition) dar, es spielt eine aktive Rolle bei der Informationsaufnahme und Verhaltenssteuerung.
Indem es bestimmte Antizipationen, Leerstellen, Informationslücken die sich in Erwartungen ausdrücken, hervorruft, kann ein aktiviertes Schema eine Sequenz von Handlungen steuern und die Informationsaufnahme erleichtern. Das Ausfüllen von Leerstellen ist beim Verstehen von Handlungen, Situationen, Texten, u.ä. von Bedeutung. Die Leerstellen forcieren Schlußfolgerungen oder Inferenzen, die über die vorhandenen Informationen hinausgehen. Die Leerstellenausfüllung oder Inferenz stellt die aktive persönliche Ergänzung dar, wobei die Leerstellen in jedem konkreten Anwendungsfall neu ausgefüllt werden.
Schemata repräsentieren ein Wissen über Merkmale, die normalerweise bei Gegenständen gemeinsam auftreten, und über Ereignisse, die zusammen eine Episode bilden. Dieses Wissen über Zusammenhänge ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, daß wir vorhersagen können, was uns in unserer Umwelt begegnen wird. Funktionieren und Überleben.
Indem Schemata Interpretationen eines Ereignisses, Objekts, oder einer Situation, konstruieren, helfen sie Verstehen. Also könnte ein Schema als eine Art informelle, private, unausgesprochene Theorie über die Natur eines Ereignisses, Objekts, oder Situation, der wir begegnen, sein. Dann wären die gesamten Schemata über die ein Mensch verfügt, seine private Theorie über die Ordnung der Dinge.
"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt." ( Wittgenstein, Tractatus, 5.6)
Da gibt es also etwas, was funktioniert und mich funktionieren läßt. Alle kennen es. Alle müßten es wiedererkennen können. Eine alltägliche Handlung: Auto fahren; Aufschließen, Türöffnen, Hineinsetzen, Zündschlüssel ins Schloß führen, Beine anordnen, usw. Ein ganzer Komplex von Handlungsfolgen, die abgespult werden, rekonstruiert aus Gelerntem, aus Vor-wissen.
Zuweilen gibt es Zwischenfälle oder Störungen. Mehr oder weniger gravierend. Zum Beispiel: Einbiegen in eine Kurve, doch irgend etwas ist nicht wie sonst. Die Straßenlage des Fahr- bzw. Beförderungssystems entspricht nicht dem Gewohnten, weicht vom Normalzustand ab. Die Spur ist verschoben.
Nicht daß dadurch direkt vom Weg abkommen werden könnte, aber das Fahr(er)Verhalten muß geändert, umgestellt werden, genau wie sich das Beförderungssystem verstellt hat. Ansonsten kann es zu einem Verkehrsunfall kommen, bei dem nicht nur das System sondern auch der Fahrer Schaden erleidet oder gar sein Ende findet.
Eine Störung bzw. Beeinträchtigung des Systems kann vielfältige Ursachen haben, willentliche und unwillentliche, wobei willentlich weder mit offensichtlich, augenscheinlich noch mit zerstörerisch verwechselt werden sollte. Das System erfährt eine Störung, durch die es nicht zwangsweise zu Schaden kommt, aber in seiner üblichen Funktionsweise beinträchtigt wird. Insofern muß der Be-Nutzer des Systems nicht sofort auf die veränderte Situation aufmerksam werden. Dies geschieht in dem Moment, in dem er die gestörte Funktion des Systems benutzen will. Die Erwartungshaltung deckt sich nicht mehr mit der realen Situation, der Zugriff wird verweigert. Zum ver-rückt werden!
Die Funktionsstörung des Systems beinträchtigt die Interaktion mit dem Fahrer, der in diesem Sinne ebenso in seiner Funktions- bzw. Handlungsweise gestört ist. Das Meta-System, das heißt hier der Verkehr, wird affiziert, infiziert. Das Netzwerk wird erkennbar.
Das "Ich" ist (selbst) ein Netzwerk, das auf einer anderen Ebene wiederum eine Knoten innerhalb eines anderen Netzwerkes darstellt. Es befindet sich in einem Gewebe von Beziehungen und Bezügen. Robinson Crusoe ist Fiktion. Das "Ich" ist Fiktion. Innen und Außen sind kein Gegensatz, sind verschiedene Organisationsebenen des Organismus. Es kommt auf die Perspektive, den Sicht-Punkt an.
Das ist System selten unabhängig, meist steht es in Beziehung zu anderen Systemen, ist sub oder super.
Everything is deeply interwingled.

Die Sprache ist das dem Menschen Eigene oder ist sie, das der Welt Eigene? Die Welt spricht im Menschen, sobald er von der Welt spricht.
Der Status der Namen ist eigentlich fremd und ohne Zuordnung. Der Name gehört nicht den Dingen, die selbst nicht sprechen können. Gehört er den Menschen, die versuchen mit ihm, daß außerhalb ihrer liegende zu fassen, zu greifen, sich anzueignen, zu besetzen? Was wird dadurch erkannt? Bestimmt nichts anderes oder geschweige denn neues. I love you, you love me, let us make a family.
Aber die Sprache und die Namen sind nun-mal dem Menschen vorgängig, sind schon da - vor ihm. Sie werden ihm gegeben, ob er will oder nicht. Eine Ablehnung gibt es nicht, wird nicht akzeptiert.
Jede Sprache präsentiert für denjenigen, der in sie hineingeboren wird, die Totalität aller Sprache, und doch ist sie immer nur eine besondere Art und Weise, die ihn umgebende Komplexität zu berühren. Jede Sprache entwickelt sich in einer bestimmten Tradition, einem festen, erfaßten Wortbestand, einem Erbe ( die Größe der Franzosen) und einem Feld möglicher Variationen, noch nicht ausgesprochener, aussprechbarer Sätze. Die Potenz der Kombinatorik.
Jede Sprache ist für den einzelnen Sprecher zugleich alles, was er mit anderen Sprechern gemeinsam hat und auch das, was er sagen kann und möchte. Sie ist sowohl öffentlich als auch privat.
Aber sie stellt keine Einheit dar, weder auf der Ebene der Sprachen noch auf der der Sprache an sich. Auch wenn die Logik des Marktes auf den einen universellen Code drängt, die An-Gl-eichung der Lebensformen, die Homo-Gen-isierung. Lesen und gelesen werden.
Läßt sich die Sprache ersetzen? Können künstliche Sprachen die Natürliche ersetzen?
Die Anzeichen der Zusammengehörigkeit von Menschen in der Sprache, in der Art zu Wohnen, den Sitten, den Erzählungen, dem Wissen, die in Beziehung stehen bzw. standen, um den gemeinsamen Ton zu erzeugen, das Erkennungszeichen, lösen sich auf, entschwinden im All, im global village.
Die Hymne des vernetzten "jeder mit jedem", der Part der Kommunikation in der vermarkteten Globalisierung, die Nachrichten- und Informationsnetze, vereinfacht "das Netz", macht das Rauschen weltweit hörbar. Bilder, Töne, Zeichen, Namen tanzen losgelöst, abgehoben durcheinander, wie buntschillernde Seifenblasen am (Sommer)Himmel. Noch variieren die von der Ideologie des Marktes kodifizierten Waren- und Zeichenströme von Land zu Land, doch der Informationsmonotheismus bzw. technische Fundamentalismus setzt fleißig dazu an, eine Gesellschaft ohne Bezugspunkte zu schaffen. Das Programm: künstliche "Intelligenz" ohne Gedächtnis und Vergangenheit.
Kommunion, Kommunikation, Komödie.
Der Zugang ermöglicht, ist das Wissen und umgekehrt.
Es geht nur noch darum angeschlossen zu sein, to be connected - und connections zu haben.
Ist es möglich alles Wissen über die Welt zu speichern, zu repräsentieren, unendlich?
Wenn die erworbenen, akkumulierten Informationen, das Wissen bzw. zu Wissende, Wissenswerte in künstlichen, externalisierten, elektronischen Gedächtnissen gespeichert wird, sind die menschlichen Gedächtnisse damit frei oder können sie frei werden? Reset. tabula rasa. Wie löscht man den cerebralen Speicher? Ist das dumm? Oder füllt er sich von selbst?
Die menschlichen Experten haben sich Hilfskräfte (oder Ab-Hilfe?) geschaffen - Expertensysteme. Das Lernen von Daten, das Repertoire, verliert an Bedeutung gegenüber der Struktur, dem Organisieren, dem "handle"n können der Daten. Ein Charakteristikum, Merk-mal des Überlebenden im Netz und oder im komplexen System.
Die Einordnung in Gebildet und Ungebildet, Literati und Illiterati, die sich an der Schriftkundigkeit maß, verschiebt sich. Die Wissenden des elektronischen Zeichensystems sind die Programmierer, in Abgrenzung zu den buchstäblich Denkenden.
Entwicklungsgeschichtlich gesehen geht das Denken, d.h. kognitive Fähigkeiten wie z.B. Erinnern, Erkennen, dem Sprachgebrauch voran, aber "später", im Laufe der individuellen Entwicklung werden die kennengelernten Sprachregeln selber weiterentwickelt, in der Kommunikation korrigiert oder verstärkt, um schließlich in ein sich selbst organisierendes System sprachlicher Bedeutungszuweisungen überzugehen, das in dem bereits existierenden Kultursystem einer Sprache eingebettet ist. Sowohl als auch.
Wie verändert ein künstliches Zeichensystem, ein "neuer" Code, eine "neue" Sprache das Denken? Wie verändert das Lernen das Wissen? Welche Beziehung besteht zwischen der Arbeitsweise des Gehirns und den Weltmodellen, die es entwirft, den Weltanschauungen?
Ein neues Weltbild, eine neue Weltanschauung braucht neue Karten. Navigieren und Entdecken ist angesagt. Der Trend, der hype. Das WWW -Wissen wer, wo, was im Dschungel (der Informationen). Der Jäger, ein moderner, zivilisierter mit Jagd- und Waffenschein, und seine Trophaensammlung, seine Siegeszeichen.
Die Sieges-Zeichen variieren je nach Kontext, ebenso ihre Träger, aber sie senden, reden, sind zum teil geschwätzig, sogar aufdringlich.
Die Oberflächen- bzw. Schnittstellengestaltung, die Verpackung ist Erkennungszeichen, ordnet zu. Mustererkennung. Wahrnehmen, erinnern, verstehen, wissen. Das Aufgreifen von Formen, die unter den Gedanken liegen. Die Verflüchtigung ins "es gibt nichts zu sehen". Das Image ist kein Bild im herkömmlichen Sinne, sondern die Kopie eines Wissenskomplex, eines Schema, oder gar eines Scripts. Das Produkt, die Ware, der Träger, der Körper ist das Sprungbrett. Um das Bezeichnete, Bedeutete geht es nicht mehr, sondern um das Bezeichnende, das Bedeutende, das Zeichen, den Namen, das Label. Das Universum der Zeichen. Die Stellvertreter übernehmen, werden selbständig, -redend, -tätig.
Während Sprache und Wissen das Denken und Wahrnehmen auf spezifische Art und weise organisieren, wird der menschliche Körper durch Kleidung kodifiziert. Das Aus-sehen, die äußere Erscheinungsform, das Out-fit ist das Zeichensystem mit dem der Träger ständig stillschweigend sendet. one-to-many. Die Botschaft ordnet ihn für alle sichtbar zu. Schichten, Gruppen, Typen, Klassen. Die Ordnungssysteme des Menschen als Menge oder Masse.
Der Mensch trifft über das De-sign seines Äußeren eine Entscheidung über seine Stellung innerhalb der Masse. Trifft er diese Entscheidung nicht, trifft er damit trotzdem eine Entscheidung. Ver-ortung.
Das Tragbare ist die Spielwiese der Mode. Die Mode ist die Fiktion "gut auszusehen", das Bedürfnis nach Ästhetik, das Bedürfnis nach Kultur, sozial erlernt. Man muß sich darum kümmern aufzufallen, beachtet zu werden ... wer die allgemeine Aufmerksamkeit erregt, muß sich rechtfertigen.
Der einzelne Mensch schwankt zwischen Pflichterfüllung und Exzeß, je nach narzißtischer Ausprägung. "Kleider machen Leute". ... je öffentlicher ein Produkt konsumiert wird, desto enger die ästhetischen Restriktionen. Vor-stellung. Ver-körperung.
In-sein. Drin-sein. Dabei-sein.
Die millionenfache Wiederholung erschöpft das Repertoire, so daß die Kleidung, selbst Zeichen, zum Träger für Zeichen wird. Die 2. Generation. Die doppelte Kodierung schafft neue Variations- und Identifikationsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist der Werdegang der Jeans. Das Marken-Zeichen als Abstraktion der Ware wird zum Tauschwert, sein De-sign bestimmt den Wert. Verselbständigung.
Die Bedeutung eines Namens darf nicht mit dem Träger des Namens verwechselt werden. Wenn z.B. Herr N.N. stirbt, stirbt der Träger des Namens N.N., jedoch nicht die Bedeutung des Namens.
Das Universum der Zeichen ist nicht der Repräsentation der Realität bzw. der Welt unterstellt.
Dies ist keine Sinn-Frage.
Nachdem heute jeder weiß wie dumm und böse Werbung ist, und gelernt hat sich im den manipulativen Mahlstrom zu überleben, ohne zum Tier zu werden, beginnt das ganze zum Spiel zu werden. Man kennt, man weiß, man erkennt wieder, man lacht, man weiß was abgeht. Die Jagd. In and out. Der natürliche Nahrungs- bzw. Futter-Kreislauf. Das feed-back. Wörtlich genommen trifft es das Spiel der sogenannten Subkultur. Man wehrt sich nicht mehr, kämpft nicht mehr gegen die "Industrialisierung des Bewußtseins", das Erbe der Väter und Mütter, das System wird nicht mehr frontal angegriffen. Das System wird benutzt, Spielwiese. Das System wird zum host, bei dem man sich einlädt, gastiert, ein Gastspiel gibt.
Haben sie verstanden warum Sisyphus glücklich sein kann?
Kamel, Löwe, Kind.

Das System als Strategie.
Die auf das Erkennen von Ordnungsprinzipien ( Hier-archien, Analogien, etc. ) geschulte, genormte Wahrnehmung, Rezeption, der "systematische Blick", wird Spekulationsobjekt. Mustererkennung, pattern recognition.
Es geht nicht um Erkenntnis, wohl aber um das Erkennen und Wieder-Erkennen. Der Blick trifft auf ein gekanntes, gelerntes System, ordnet die wahrgenommenen Merkmale zu, erkennt. Jedoch bleiben einige Elemente, die nicht der Systemmenge zugehörig sind. Sie sind Teil einer anderen Systemmenge, dieser entnommen. Die Systeme werden somit in Beziehung zueinander gesetzt. Eine Vermischung. Eine Mischung. Ein Mischling. Für die Ordnung ein Bastard. Versetzung, Fortsetzung, Übersetzung. Vielleicht etwas "neues"?!
Entwendung als produktiver Akt gegen wachsende Zuwendung(en). Kontextgestaltung.
Die Kontrolle des Kontext beinhaltet die Kontrolle der Bedeutung , die Kontrolle der Bedeutung ist identisch mit der Kontrolle der Wirklichkeit, der Realität.
Networking. Netzwerke, Beriffs- und Beziehungsnetze bilden, konstruieren, produzieren.
Oder sich in die Normierungsausschüsse hineinschmuggeln, offensiv werden statt bloß zu kombinieren, was die Normierung unter den Titeln Realität und Fiktion schon längst vorproduziert bzw. -programmiert hat.
Die Qual der Wahl. Choose your own story ( Ist das existenialistisch?). Das Meer des mehr.
Was bleibt ist die Subversion, der Kunst-Terror, das beiläufige Streuen von bugs, Störfaktoren, Fehlinformationen, Irritationen, Faux-Pas u.ä.. Oder einfach Nutzloses anhäufen, Abfall, Aus-sortiertes sammeln gehen. In der Flut baden, sich treiben lassen, ein bißchen Wellenreiten, surfen, tauchen. Und immer auf die Strömung acht geben. Bei Regen spazieren gehen, in Pfützen plantschen, sich schmutzig machen. Unter-wandern. Bäumchen-wechsel-Dich spielen und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Sich den Kopf verdrehen lassen. Spinnen, Weben, Knüpfen. Durchdrehen. Nichts verstehen. Bla-bla machen.
Ver-rückt. displace-me(a)nt. Und zurück im Pool. Der Raum wird vielleicht nicht verlassen, aber neu ausgemessen. Eine neue Karte, eine neue Chance. Das Spiel.


Sandwich, Doppel-decker, Über-setzer

Von unserer Lebensform hängt es ab, was uns fremd und was uns vertraut vorkommt. Aber selbst das Fremde, das Andere, können wir uns verständlich machen indem von erlernten bzw. -fahrenen Sachverhalten ausgehend extrapoliert wird. In dieser Weise kann es gelingen, auch in einer unvertrauten Gestalt ein "Gesicht" zu sehen. Der Ausdruck des Gesichts wird zwar nicht ebenso unmittelbar gelesen wie der eines Gesichts der bekannten Umgebung, aber dann wird zu interpretieren versucht.
Man wiederholt, weil man nicht versteht, man wiederholt mit Bezug auf das, was man nicht ist und nicht hat. Der Wunsch, der Drang das Andere und Fremde, die Differenz, zu benennen und zu
(ver-)orten, sie an-eignen.
Die Übersetzung wendet sich dem Eigenen des Fremden zu. Die Öffnung für die Differenz ( nicht des durch Kommunikation nivellierten Gemeinsamen), für die Differenz der Sprachen, für das Spiel der Sprachen, für ein glückliches Babel. Die Verwirrung der Sprachen ist nichts verwerfliches. Keine Sprache läßt sich vollständig in eine andere übertragen. Der Übersetzer reibt die verschiedenen Sprachen aneinander, läßt sie aufeinandertreffen. Be-gegnung.
Dabei geht es nicht um Erklärung, sondern um Anwendung (Erfahrung).
Die Wissenschaften erweisen sich als gegenüber Übersetzungsstrategien, der Operation des Übersetzens inkompatibel, bzw. invariant. Jede Einzelne, eine in ihre Traditionen verschweißte Eigenheit bzw. Einheit, die von an ihren Grenzen aufgestellten Wachposten geschützt wird. Unverfälschte, unverwässerte, absolute Reinheit.
Seufzer auf der Brücke, in dem Wissen das die Reinheit ein außerirdisches, nicht natürliches Wesen ist - oder eine Fiktion, eine Wunschvorstellung, weder erreichbar, noch erträglich!
Übereinanderblendung zweier verschiedener Systeme, die strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen. Sandwichtechnik, Doppelbelichtungen der Wahrnehmung. Störung der Sehgewohnheiten, der stabilen input-Muster. Unschärfe. Rauschen.
Das Programm (be-)greift nicht, man muß rann. Das hält in Schwung, beschäftigt, gibt was zu tun. Vielleicht muß man eine gewisse Ungewißheit in Kauf nehmen. Akzeptieren nicht zu wissen. Die eindeutige Bestimmung bringt keine Schärfe, weil sich nicht alles voneinander trennen läßt. Versucht man es trotzdem, trifft man eine Entscheidung, entscheidet sich für eine Sichtweise gegen die andere.